Vor einer Woche habe ich Feivel das erste Mal gesehen. Er stand auf einer ziemlich große Wiese mit weiteren zehn anderen Pferden. Er lief ganz brav mit uns als seine Reitbeteiligung ihn holte. Er lief zwar brav und ohne zörgern aber nicht schön, er hat nähmlich Hufrollenentzündung im Endstadium auf beiden Vorderbeinen, die letzte Röntgenbilder vor drei Jahren(2008) ergaben dazu auch noch Schale und Arthrose, laut seinen Tierarzt ist es ein Wunder das er überhaupt noch laufen kann.
Feivel gehört der Cousine meiner Frau und sie hatte mich gebeten Feivel zu besuchen und mir seine Hufe genauer anzusehen. Neue Hufeisen waren wieder fällig jedoch war sein allgemeiner Zustand so schlecht das sie sich fragte ob es statt dem üblichen Beschlagen noch eine Alternative geben könnte. Denn Feivel mochte eigendlich garnicht mehr laufen. Als seine Reitbeteiligung ihn führte, lief er wie auf Stelzen. Ich versuchte sein linkes Vorderbein zu heben und er fing an am ganzen Körper zu zittern, besonders am linken Bein. Seine Reitbeteiligung meinte er leide ausserdem unter dem "Shivering Syndrom". Das Beschlagen würde schonmal Stunden dauern, erklärte sie darauf.
Was mir ausserdem direkt ins Auge fiehl, war die tatsache das seine Hufe proportional viel zu schmal und klein waren zum Pferd.
Feivel ist ein schweres Warmblut vom "alten Schlag" mit viel zu schmalen Hufen. Der Strahl an allen vier Hufen war unterentwickelt klein und hatten zudem kein Bodenkontakt.
Trotz Hufeisen konnte ich gut die stinkenden, schwarzen Strahlspalten an allen vier Hufen erkennen wo sich die Fäulnis wohl schon ziemlich tief hineingefressen hatte.
An beiden seinen Vorderbeinen hatte er eine Sehnenentzündung, die Beine waren trotz täglichem Auslauf dick und warm. Besonders das rechte Bein war stärker betroffen und wesentlich dicker als das linke Bein. Laut TA könnte es von der Überbelastung durch die Schonhaltung des linken Bockufes begründet sein.
Seine Reitbeteiligung erzählte das man schon alles an therapeutischen Beschlägen durchprobiert habe. Leider immer nur mit kurzweiligem Erfolg.
Bei Feivel wurde schon mit 8 Jahren die Hufrollenentzündung diagnostiziert da er nicht mehr klar lief. Damals war der Nervenschnitt eine populäre Methode die von Tierärzten gerne vorgeschlagen wurde. Auch leider heute noch nicht ganz verrufen bei einigen Veterinären.
Feivel bekam damals die klassische Behandlung vom Nervenschnitt, höherstellen der Trachten zur Entlasten der tiefen Beugesehne bis zum steilen Bockhuf. Wenn der betroffene Huf dann nicht mehr steiler gestellt werden kann, ist eben auch bei den Hufschmieden und Veterinären Endstation. Und so auch bei Feivel. Diese konservatieve Behandlungsmethode führt unweigerlich zum Einschläfern des Pferdes, da bei den Pferden ab einem bestimmten Punkt die Beugesehne nicht mehr entlastet werden kann. Oft legt sich das Pferd dann hin und will nicht mehr aufstehen.
Zu alldem hatte Feivel diesen Sommer schon etliche Koliken hinter sich gehabt. Wie ich später über seinen TA herausgefunden habe, litt er seit 2009 regelmäßig unter Gaskolicken, oftmals 8 Kolicken in kurzen Intervallen. Sowie immer wieder auftretende Augenentzündungen am linken Auge die jedoch nur im Sommer auftrat, bei Weidegang und Fliegenplagen.
Ich beschäftige mich jetzt seit 4 Jahren mit Hufen; Ich habe diesbezüglich sehr viel gelesen und habe auch an verschiedenen Kursen teilgenommen. Ich arbeite stark nach der theoretischen Methode was als "Natural Hoof Care" bekannt ist. Vor allem nach den Huferkenntnissen von Pete Ramey (amerikanischer Hufschmied der auf Barhufbehandlung umgestiegen ist).
Es begann damit, das mein eigenes Pferd vor 4 Jahren auch mit der Diagnose Hufrollenentzündung eingeschläfert wurde. Damals auf Anraten zweier Tierärzte sowie gute Bekannte in der Pferdeszene, sah ich selbst keinen anderen Ausweg als den Tod. Man hatte mir zwar auch die Spezialbeschläge vorgeschlagen, die Tierärzte waren jedoch ehrlich und sagten das sie den Krankheitsverlauf nur verlangsamten nicht aufhielten. Ich habe daraufhin angefangen mich sehr intensiev mit der Arbeit und der Lehre der Hufschmiede zu befassen und parallel dazu mit veterinär wissenschaflichen Untersuchungen von Ärzten wie z.B. Dr. Bowker, Dr. Pollitt oder Dr. Rooney.
Ein Artikel von Pete Ramey, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenfügt und für den Laien verständlich gemacht, kann mann hier übersetzt finden:
Artikel- Hufrollenentzündung-Pete Ramey



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